Die Bilder, die ich male, sind Darstellungen von Streifzügen; was ich damit meine ist: man kann in einem Bild umherwandern und, zumindest manchmal, das Gefühl haben, man erkenne den Ort, an dem man ist. Aber der Ort kann sich verändern, zu einem neuen Ort werden, man verliert die Orientierung und findet sich selbst durch Intuition. Man weiss nicht, wie man an den Ort gekommen ist, aber man weiss, wo man ist. Es gibt gut ausgetretene Pfade und Wegweiser, die einem vertraut erscheinen.

Wenn ich mich einer neuen Leinwand zuwende, weiss, unberührt, am Morgen, denke ich mir oft: warum sollte ich sie schmutzig machen? Sie ist wie ein leerer Spiegel, aber wenn die ersten wenigen Flecken entstanden sind, verändert sie sich. Sie zeigt eine Richtung, sie beginnt, einem zuzuwinken. Die Entscheidung zu treffen anzufangen, ist das Wichtigste, es scheint keine Rolle zu spielen, was du tust. Grundverschiedene Dinge können vereint werden, irgendwie in Zusammenhang gebracht werden. Ein Dialog beginnt. Man ist sich dessen bewusst, was in einer Richtung geschieht, aber viel passiert auch am Wegesrand.

Kontraste sind wichtig: zum Beispiel Organisches gegenüber Geometrischem. Organische Formen entstehen aus der Erinnerung. Es gibt die Energie der lebendigen Form im Kontrast zu den Rechtecken geometrischer Räume.

Farbe wird emotional gebraucht. Man wird von ihr angezogen oder gar angefallen.

Mein Hauptanliegen ist es, mich dieser "Wand" zu stellen und die Farbe so zu gebrauchen, dass ich die Leinwand sowohl mit Respekt behandle als auch Nischen in ihr entstehen lasse. Ich habe das Bedürfnis, das Bild wie ein Bildhauer zu formen, Höhlen in die Leinwand zu hauen und so eine gewisse Präsenz erwachenden Lebens zu erschaffen.


John Tierney